In unserer Kategorie „Schwerter*innen im Porträt“ stellen wir unterschiedliche Persönlichkeiten vor, die vielleicht nicht immer in der ersten Reihe stehen, aber durchaus spannendes zu erzählen haben. Von interessanten Macher*innen hinter einem Projekt, über ehrenamtlich Engagierte bis hin zu den kreativen Köpfen in Schwerte – hier heißt es einmal im Monat: „Fünf Fragen an…“
1. Petra Müller-Kramer ist…?
… Geschäftsführende Vorständin und Gründerin des Kinderland Villigst e.V., eines freien Jugendhilfeträgers, der vor 24 Jahren ins Leben gerufen wurde.
Ich bin ein „altes“ Villigster Mädchen – hier geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Durch meine enge Verbundenheit mit dem Ortsteil war schnell klar, dass „Villigst“ im Vereinsnamen vorkommen musste, und er hier ansässig sein sollte.
Villigst ist für mich ein Ort, an dem Kinder alles finden, was sie brauchen, um sich gut zu entfalten: eine naturnahe Umgebung, Freundschaften, die noch auf der Straße entstehen und sichere Wege, um zu Fuß zur Schule zu gehen. Es ist ein Geschenk, dass meine drei Kinder hier in dieser geborgenen Umgebung groß werden konnten – während ich gleichzeitig meine berufliche Laufbahn gestalten durfte.
Ich bin Diplom-Sozialpädagogin und systemische Familientherapeutin geworden, weil es mir ein Herzensanliegen ist, Kinder und Familien in ihrem Miteinander zu unterstützen und zu begleiten. Neben meinem Beruf engagiere ich mich leidenschaftlich fürs Segeln – ich liebe es, mich vom Wind treiben zu lassen.
Seit mehr als fünfzehn Jahren begleiten mich außerdem Labradore auf meinem Weg – sie sind aus meinem Leben nicht wegzudenken.
2. Kinderland Villigst e.V. ist…?
… ein Ort, an dem das Kind im Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns steht. Mit einer wertschätzenden, systemischen Haltung richten wir unseren Blick auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder und Familien und begleiten sie in ihrer Entwicklung.
… ein Ort der Begegnung, an dem Kinder gefördert und gestärkt werden.
… ein Ort, an dem die Wahrung der Kinderrechte und der Schutz der uns anvertrauten Kinder selbstverständlich sind.
Als Führungskraft sehe ich mich – mit einem hohen humanistischen Anspruch – in der Vorbildfunktion und möchte ein wertschätzendes Arbeitsklima schaffen.
Nach 24 Jahren sind wir heute ein etablierter Verein mit 112 Mitarbeiter*innen und in vielen Bereichen der Jugendhilfe tätig. Wir sind Träger des Offenen Ganztags in Villigst und des Jugendzentrums im Ortskern. Mit 68 Inklusionsassistent*innen leben wir das Thema Inklusion an Schulen auch über die Stadtgrenzen hinaus.
Unsere systemische und individuelle Sicht auf die Familien wird von vielen Jugendämtern geschätzt – ebenfalls über die Grenzen Schwertes hinaus. Schon als Kind hatte ich eine starke Affinität zu Tieren und habe das wohltuende Miteinander mit ihnen sehr genossen.
Ich bin unendlich stolz darauf, dass wir als Träger eine Abteilung für tiergestützte Intervention aufbauen konnten – mit hochqualifizierten Fachkräften, die diese Arbeit mit Leidenschaft leben.
Ein weiteres Standbein unseres Vereins ist die Abteilung Autismustherapie geworden, die sich seit einigen Jahren mehr und mehr etabliert. Wir beschäftigen heute 12 Mitarbeiter*innen in diesem Bereich und begleiten zurzeit 100 Kinder in ihrer Entwicklung.
3. Schwerte ist für mich…?
… Heimat.
Das kleinstädtische Ambiente und das viele Grün sind für mich Gründe, hier zu leben. Schwerte liegt zentral und ist doch idyllisch – bunt, vielfältig und lebendig. Ich liebe es, über den Marktplatz zu gehen, mit meinem Hund durch die Ruhrauen zu schlendern oder mich in kleinen Geschäften individuell beraten zu lassen.
4. Mein Lieblingsspot in Schwerte…?
… ist der Höhenweg in Schwerte-Villigst, von dem aus ich über das gesamte Ruhrtal blicken kann.
… ist das Elsebad, wo ich einen Großteil meiner Kindheit verbracht habe und viele Menschen treffe, die mit mir hier leben. Es ist ein Ort der Begegnung zwischen Generationen – er fängt uns ein und verbindet.
5. Kinderland Villigst e.V. in 5 Jahren?
… ist ein verlässlicher Partner der Jugendhilfe in Schwerte – ein Träger, der Haltung zeigt für Kinderrechte und Familien, auch wenn es unbequem wird.
Wir stehen für eine Pädagogik, die nicht verwaltet, sondern begegnet.
Das bedeutet: eine enge Kooperation mit Schulen, Jugendämtern, Therapeut*innen, Kliniken und anderen Einrichtungen der Jugendhilfe – immer mit der zentralen Frage: Was braucht dieses Kind jetzt wirklich?
Wir wollen nicht der größte Träger sein, sondern der, über den Familien sagen: „Die haben uns verstanden.“
Wir investieren weiter in Menschen. Unser Maßstab sind keine Fallzahlen, sondern ob ein Kind sich bei uns sicher und gesehen fühlt.
Wir sind auch in fünf Jahren nicht „fertig“ – denn wir sind ein Träger, der sich immer weiterentwickelt.
Fotos: © Petra Müller-Kramer
Website: Kinderland Villigst e.V.
Instagram: kinderland_villigst_e.v
Facebook: Kinderland Villigst e.V.